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länger, höher, schneller

Transalp Challenge 2012 – Finale

8. Etappe: Madonna di Capiglio – Riva del Garda

sportograf-30765588_lowresNachdem es gestern mal wider ein wenig dauerte, bis Ruhe und Dunkelheit (Neonlampen mögen in Parkhäusern sinnvoll sein, aber zum schlafen machen sie einfach häßliches Licht und sind zudem zu hell) einkehrte, wachten wir früh bei gefühlten Minusgraden auf und begaben uns zur Morgenmahlzeit auf das zugige Parkdeck. Heute wurde dann zum zweiten Mal meine Theorie widerlegt, das es in Italien keinen schlechten Kaffee gibt, widerlegt. Wobei schon die Bezeichnung für dieses Zuckersüße Instantzeug irreführend ist. So hatten wir unser Brötchen und unseren Morgenstund-Brei recht schnell hintergeschlungen und unsere Sachen gepackt.

Schon beim Einrollen zum Start zeichnete sich ab, das heute das große Gepäck nötig wird: es war hundekalt und nieselte. Also als erstes ein Cafe gesucht, welches um die Zeit schon offen hatte – Fehlanzeige. Also sind Thomas und ich – eher um die Zeit totzuschlagen – nochmal kurz zum Sani, um uns frische Pflaster geben zu lassen. Ich brauchte es nur, damit die Wunde am Knie nicht am Knieling anbackt, aber andere liessen sich bunte Pflaster – die aktuelle Modewelle – überall anbringen zu lassen. Beim Schlange stehen, lauschten wir andächtig der Fahrerbesprechung des Rescue-Teams, das klang alles sehr nach einem ordentlichen Finale und nicht nach ins Ziel rollern.

Nachdem wir das hinter uns gebracht hatten, hatte dann endlich das erste Cafe offen und wir genehmigten uns einen richtigen Kaffee, der den Namen verdiente im Warmen. Als wir der Meinung waren, wir hätten ausreichend Wärme aufgenommen begaben wir uns letztmalig in den Startbereich. Wir wie immer Block D und Thomas und Hagen weiter vorn.

Im Block lagen wie jeden Morgen schon einige Bikes und wir reihten uns ein. Im Gegensatz zu den letzten Tagen herrschte heute eine eher lockere Atmosphäre  bei einigen hatte ich das Gefühl sie sind gedanklich schon in Riva. Jedenfalls lag diesmal eher Ausgelassenheit in der Luft als angespannte Rennatmosphäre, manche schienen richtig high zu sein – und das bei den angekündigten engen Gassen direkt nach dem Start – ich begann mir Sorgen zu machen und wollte nur noch weg (nach vorne selbstverständlich). Eine gefühlte Ewigkeit und Schockfrostung später, setzte sich das Feld zu „Highway to Hell“ in Bewegung und schlängelte sich träge durch den Ort. Bald ging moderat bergan und das Feld zog sich auseinander und es kehrte Ruhe ein. Noch war es trocken, aber das änderte sich in Pinzolo: aus dem Niesel wurde Regen und aus der frischen Morgenluft wurde arktische Kälte. Ein Abzweig und das der morgendliche Stau war perfekt: 12 km gefahren, 0 Anstieg und trotzdem schieben 😦 Gefühlte Stunden später waren wir wieder auf den Rädern und drangen immer mehr in die Wolken vor. An der ersten Verpflegung machten wir nur kurz halt, um nicht restlos auszukühlen. So kurbelten wir dem Sattel des Tages entgegen und den letzten Berg hinauf. Ein bisschen Euphorie wäre sicher angebracht gewesen, aber irgendwie war mir nur kalt und alles grau und nass. Mein Knie hatte mir den gestrigen und die vorherigen Wandertage in „Balletschuhen“ nicht verziehen und gab mir das nun deutlich zu verstehen.

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Zu allem Überfluss rutschte Rico auch noch weg und gab der Schwerkraft nach, zum Glück ist nichts passiert und wir sind mit dem Schrecken weggekommen. Kurze Zeit später, hieß es wieder schieben – wie soll man da auf Betriebstemperatur kommen? Ringsherum grummelt es und die Frage fahren wir in das Gewitter rein oder kommt es auf uns zu erübrigte sich. Und da war sie, die gefürchtete Sinnfrage, von der ich bis heute ehrliche Herzens sagen konnte, ich habe sie mir noch nie gestellt: „Was tue ich hier eigentlich und warum tue ich mir das an?“ Aber auch dieses Gefühl geht irgendwann vorüber oder wird einfach unterdrückt.Oben dann schnell in die Abfahrt, welche nur im oberen Teil ein paar Schwierigkeiten verbarg (z.B. Pfützen für das halbe Vorderrad, wenn man die falsche Linie wählt).

Nach ca. 55 oder 60km bekam ich endlich das Gefühl von Wärme in den Gliedern und entledigte mich meiner Regenjacke. Bald folgte wieder eine Schiebepassage, die wir unter anderen Umständen (zu Hause, ausgeruht, trocken) sicher gefahren wären. Aber wir waren nun mal hier. Immerhin es wurde trocken und wärmer und das Ziel rückte in greifbare Nähe. „Nur“ noch ein Trail und wir haben es geschafft. Glücklicherweise wurden meine Versuche auf dem rutschigen Stein zu fahren, von Ricos Vernunft im Keim erstickt und so reihten wir uns die die Wandergruppe „Transalp Bike Schieber“ ein und eierten bergab. Nachdem der Wald uns ausspuckte, wollte ich eigentlich noch mal ein bissel Gas geben – sei es um Plätze gut zu machen oder den Platz zu halten. So fuhren wir verschlammt nach Riva ein und so langsam kam auch das Gefühl : „Wir haben es geschafft!“

sportograf-30772111_lowresIm Ziel wurden unsere Trikots noch einmal benannt und die Referenz zur Mad East Challenge erklärt! Da war ich dann ein bisschen beeindruckt. Heute mussten wir uns dann beide mit unseren Bike an der Bikewäsche anstellen und legten nebenbei die Klamotten zum trocknen in die Sonne. Die Zielverpflegung war etwas mager bzw. nicht zu finden, etwas komisch fand ich auch den beginnenden Abbau des Zielbereichs gegen 17:00 Uhr – irgendwie schade für die, die noch reinkommen. Nachdem wir dann die gut versteckten Duschen gefunden hatten, gab es erst einmal die geplanten Gardaseebilder und ein Eis.

Nachdem ich mir schon Sorgen um meine Nachtruhe gemacht hatte, war die Finisherparty dann irgendwie sehr lahm und gegen 21:00 Uhr beendet. Also zogen wir 4 noch einmal los und genehmigten uns ein Glas Wein und ein großes Eis (-:

Beim Wein kamen dann auch bald die Fragen: Was kommt jetzt? Cristalp!? Trans Karpatia!? Noch einmal? Warum nicht, schließlich ist ja noch Luft nach vorn?

Etappe: 75,10 km /

Zeit: 5:20.22,5

Platz:  150 / Gesamt: 157 (+1)

Wichtige Dinge, die man neben den Standarddingen (wie Schläuchen usw.) für einen Alpencross einpacken sollte:

  • Oropax: Gebrauch vorher proben
  • Verteilerdose: Steckdosen sind im BikeCamp Mangelware und in Zeiten der zunehmenden Technisierung und verkürzter Akkuhaltbarkeiten sehr begehrt
  • ein vernünftiges Messer, um die Brötchen zu schneiden: die Plastemesser sind eine stumpfe Fehlkonstruktion mit definiertem Anschlag
  • Toilettenpapier: ja das kann alle werden.
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