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Transalp Challenge 2012 – 6. Etappe

6. Etappe: Livignio – Ponte di Legno:

sportograf-30736169_lowresNach einer vergleichsweise ruhigen Nacht war es heute beim Frühstück ziemlich frisch. Aber die Sonne schien und so wurde uns auch schnell warm. Für heute stand die Königsetappe auf dem Programm und sowohl der Rennleiter als auch der UCI Kommisar hatten uns ordentlich ins Gewissen geredet: Nicht bummeln! Und wie um dem ganzen mehr Druck als eh‘ schon vorhanden zu verleihen, gab es diesmal harte 2 Zeitlimits (15:00 Uhr bei Km 67 in Grosotto und 2 Stunden und 13 km bzw. 1380 Hm später am Passo Mortirollo) – die mir allerdings realistisch erschienen, jedenfalls wenn man das erste nicht gerade so schafft. Ich versuchte es mal wieder mit Galgenhumor und wies meine Mitfahrer – natürlich nicht beim Fahren –  auf den Umstand hin, das es ja eigentlich  bergab ginge (3451 hoch und 4049 ab). Aber die müssen auch gefahren werden…

Leider konnten mir die Scotties gestern mit meinem Hinterrad nicht helfen und hatten mich an Mavic verwiesen – wo abends keiner mehr anwesend war… also stand ich mit meinem nervenden Freilauf am Start und hegte die Hoffnung, am Abend genügend Zeit und eine Lösung für mein Problem zu bekommen. Doch von vorn, über dem Feld – insbesondere Block D – lag heute eine gewisse Nervosität. Auf dem ersten Abschnitt war folglich kein Ausruhen angesagt, umso schlimmer das Ricos Beine sich wieder zu verkrampfen drohten, also ein bissel rausnehmen – aber weiter mit Druck über das wellige Profil. Am ersten Verpflegungspunkt erholten sich die Beine einigermaßen und ich hegte heimlich die Hoffnung, das wir meinen Zeitplan bis Grosotto halten können. Die Abfahrt vom Passo di Verva hatte es in sich, war aber gefühlt bei weitem nicht so schwierig wie angekündigt. Die einzige Schwierigkeit bestand für mich meinen Freilauf in Bewegung zu halten oder die Ohren abzuschalten. Wir kamen gegen halb eins am zweiten Kontrollpunkt an – mein Zeitplan (13:00 Uhr) passte, dies eröffnete ich meinem Kollegen natürlich erst hier. Der Anstieg zum Passo Mortirollo war stures Treten auch hier oben kamen wir mit ausreichend Puffer an und ich begann gedanklich den Zielschluss in Ponte die Legno ins Visier zu nehmen, schließlich lief bis hierher alles nach Plan. Wir leisteten uns hier sogar eine längere Verschnaufpause und eine Voltarenkur für Ricos Beine.

Auf der Abfahrt lief es wie geschmiert, bis, ja bis wieder ein Stau hinter Valgrande unsere Fahrt bremste. Hier passierte es dann: Rico schob halb auf dem Rad sitzend bergab und plötzlich über den Lenker. Das sah von hinten richtig böse aus. Nachdem sicher war, das ihm nichts passiert war inspizierten wir sein Bike und mussten ein gebrochenes Schaltauge diagnostizieren – schöner Mist auch. Zum Glück hatte ich ihm im Vorfeld geraten, ein Ersatzschaltauge mitzunehmen. Also siegessicher an den Wegesrand: er sucht das Schaltauge hervor, während ich mich seinem Schaltwerk zuwende. Kaum hatte ich das Schaltwerk in der Hand, bekomme ich drei riesige Fragezeichen über meinem Kopf: „Liebe Konstrukteure von Ghost, warum zur Hölle ist das Schaltauge mit Torx-Schrauben befestigt!?!?“ Argh… völlig sinnfreies Feature – Großes Grübeln was nun? Anschließend der verzweifelte Versuch bei anderen Fahrern ein passendes Bit zu bekommen, einer wollte uns gleich sein Werkzeug da lassen, aber auch er hatte kein passendes Bit dabei. Nach dem dritten Fahrer stand der Entschluss endgültig fest: ich baue jetzt ein Eingang Rad: mit einer 32:18 Übersetzung. Gesagt, getan Kette gekürzt und Schaltwerk in den Rucksack und weiter ging es. Wobei das „weiter“ leichter gesagt als getan war. Mein Kollege musste im Kopf erst einmal mit dem Abflug klar kommen. Wir hatten ordentlich Zeit eingebüßt und mussten nun mit Handicap weiterfahren.

Von nun an ging es auf leicht bergan und das Erreichen des Zieles vor dem Zielschluss wurde wieder fraglich. Also an möglichst vielen Stellen schieben, um die fehlende Übersetzung auszugleichen. Gegen 17:45 holten wir das Team Liftxpress ein, bei denen kämpfte auch einer mit dem Zielschluss und der andere mit sich selbst (O-Ton: „Komm halt Dich an meinem Rucksack fest, wir haben noch 15 Minuten!“ – „ach lass mich in Ruhe“). Wenn möglich schob ich und ermunterte sowohl die beiden als auch meinen Partner: „Los Jungs das schaffen wir“ – und Vollgas. Wir erreichten das Ziel 8Minuten vor Schluss und entgingen somit der Zeitstrafe. Gegenseitiges Abklatschen, ich suchte als erstes Thomas und Hagen, damit sie sich um meinen Kollegen kümmern können und ich die geschundenen Bikes abgeben kann.

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Hagen übernahm Ricos Bike und brachte es zum Shimano stand und ich reihte mich wie jeden Abend bei Scott ein, wobei ich mit meinem Hinterrad gleich weiterwollte. Die Jungs zogen die Grobreinigung sogar vor und so konnte ich mit einem sauberen Rad zu Mavic traben. Der meinte ganz locker, wann ich es wiederbräuchte und in einer Stunde wäre er fertig. Also nachdem Duschen das Hinterrad abgeholt und gleich noch eine Einweisung in das Demontieren des Freilaufes, welcher  wohl hinüber war bekommen. Nach kurzer Fachsimpelei mit einem neuen Freilauf mein Bike am Scott-Stand komplettiert und zum Essen gedüst, welches mal wieder super lecker und fast zu viel war. Nach der Pastasparty sind Rico und ich noch schnell unsere Bikes abholen und zum Parc Ferme fahren und dann in den Schlafsack. schließlich ist die morgige Etappe auch nicht gerade ein Spaziergang.

Bemerkung am Rande: Auf der Ergebnisliste stellte ich fest, das der Liftxpress in der Gesamtwertung 21 Minuten direkt vor uns liegt – warum habe ich sie nur angefeuert?

Etappe: 106km / 3451Hm

Zeit: 9:52.46,6

Platz:  162 / Gesamt: 162 (+13)

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Eine Antwort zu “Transalp Challenge 2012 – 6. Etappe

  1. Martin September 18, 2012 um 7:29 am

    Ja das Anfeuern ist eine Disziplin, die du nahezu perfekt beherrschst. Ich konnte (oder musste) diese auch schon „genießen“. Es gibt ein paar Dinge, die einen wahren Sportsmann ausmachen: das ist ein Punkt, der dazu gehört!

    Es macht mir richtig Spaß deine Etappenberichte zu lesen!

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