Am 29.08.2011 hieß es 30 Jahre Ötztaler Radmarathon oder die Leiden des jungen R.
Aber der Reihe nach: erster Rückschlag unsere Bewerbung für das Team Alpecin hatte keinen Erfolg und in der Startplatzverlosung war ich auch nicht mit von der Partie, aber ein Tauschpartner war schnell ausfindig gemacht
Der Saisonstart lief für meine Verhältnisse gut: Ende Mai standen 4320km und 31000hm im Trainingstagebuch. Das Skoda Velothon als erster Test lies erste Leistungslücken erkennen. Dann kam der nächste Rückschlag der erste Test im Gelände musste vertagt werden -> Infekt, diesem fielen sowohl der Malevil Cup als auch die Mad East Challenge zum Opfer (2 Wochen kein Training).
Das nächste Ziel hieß dann Salzkammerguttrophy, doch auch hier verfolgte mich das Pech und ich musste nach 86 km verletzungsbedingt aufgeben und durfte bzw. konnte wieder 2 Wochen nicht trainieren. Mein Lieblingsmarathon in Seiffen fiel dann einer eigenwilligen Mietdauer (Sonntag-Sonntag) unseres Urlaubsgastgebers zum Opfer – wobei ein Start mit meinem Malheur eher illusorisch gewesen wäre.
Samstag in Sölden strömender Regen und Schnee am Timmelsjoch – es kann nur besser werden. Also stand ich am Sonntag in Sölden mal wieder frierend mit Selbstzweifeln und weniger Kilometern als geplant gegen 6:00 Uhr am Start. Aber die Wettervorhersage schien zu stimmen. Irgendwo gegen 7:00 ging es dann los und das Feld setzte sich träge durch ein paar dicke Nebelfelder gen Ötz in Bewegung. Der Kollege war diesmal schneller weg, als letztes Jahr, aber egal. Am Berg nach Kühtai lief es locker und flüssig und an einer Engstelle fühlte ich mich auch kurz von der trägen Masse behindert. Oben zerplatzte die Seifenblase von Zeitplanung – ich lag laut Rennleiterauto 19 Minuten hinter meinem Plan, witzigerweise hatte ich dann am Messpunkt jedoch exakt die gleiche Zeit, wie im letzten Jahr.
Bergab lief es gut – nur meine Vorderradbremse nervte erheblich mit Quitschgeräuschen. Unten konnte ich mich von meiner Windjacke befreien und es wurde langsam warm. Die gefundene Gruppe rollte anfangs gut, hinter Innsbruck wurde es dann recht inhomogen: ständiges Beschleunigen und Rollern. Am Brenner dann endlich warme Füße und eine hoffnungspendende Zeit (6min schneller als im Vorjahr).
Bergab nach Sterzing war unproblematisch und als nächste Aufgabe stand der Jaufenpass auf dem Programm: in meiner Erinnerung ein nicht enden wollender Anstieg, aber es rollte gut. Irgendwann wurde ich auch den netten Herren mit dem knarrenden Tretlager los und so stand ich irgendwann an der Labe und fühlte mich richtig gut. Uopps, wo kam den mein Kollege plötzlich her? Er meinte in einem Tonfall von lass mich in Ruhe: “Ich bin so was von im Eimer”. Die letzten Höhenmeter zum Pass waren schnell gemeistert und so fuhr ich mit einem Zeitvorteil von 13min zum Vorjahr über den Jaufenpass und sauste und hopste über den miesen Asphalt Richtung St. Leonard. Unten wurde es dann richtig warm, also Armlinge und Beinlinge runter und weiter.
Ab Moos wurde es dann plötzlich richtig zäh – letztes Jahr konnte ich über das Plakat “Ausgeträumt?” lachen, diesmal wurde es eher ein gequältes Lächeln, aber rollte. Jedoch wurde es immer zäher und mein Kreislauf drohte, sich auf andere Dinge als Radfahren zu konzentrieren. In der Sonne begann ich zu frieren und bekam keinen Druck mehr auf die Pedale. Aufgeben oder weiter? Hinter dem Tunnel kommt die Labe Schönau – Mist der Tunnel war es noch nicht. Hoffentlich fotografieren sie nicht wieder im Tunnel. Irgendwann kam die Labe und ich konnte die Speicher wieder auffüllen und mich kurz erholen. Und da kam auch schon mein Kollege, der hat sich wahrscheinlich die ganze Zeit versteckt.
Nach der Kurve dann die nächste Mangelerscheinung: ein kapitaler Krampf im rechten Oberschenkel – Anhalten, lockern, weiter. 200m später wollte mein linker Oberschenkel die volle Aufmerksamkeit: nächster Krampf
Weiterfahren, 100m ? Krampf in beiden Beinen: nix geht mehr. Jetzt war ich im Eimer – Kurz gerechnet wie lange man woll zu Fuß bis oben braucht – da vorn lief schon einer Barfuß – glücklicherweise kam ein Orgafahrzeug und fragte ob ich Salz bräuchte. Ob die Verständnisprobleme an meinem Zustand oder am Dialekt lag, lass ich mal dahingestellt. Jedenfalls gaben sie mir welches und nach kurzer Zeit konnte ich mit zusammengebissenen Zähnen wieder ein bissel Druck auf die Pedale bringen. Irgendwie kam ich oben an und hatte sogar eine Minute gerettet. Mit dem Bewußtsein des Gegenanstiegs ging es in die Abfahrt, dieser lief diesmal erstaunlich gut und ich gab noch einmal alles bis ins Ziel.
Fazit: heil angekommen, Ziel unter 10h nicht erreicht, Trostpreis 4min schneller als letztes Jahr, in 5 Jahren habe ich es dann.
Die Organisation war wieder super, nächstes Jahr muss das Training besser werden und die Ausfälle wegfallen. Vielleicht hätte ich ja doch die Sternfahrt mitfahren sollen
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